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Bin ich eine leere Hülle?

Hallo Ihr Lieben,

ich würde behaupten, ich wäre eine ganz normale Person. Nicht besonders außergewöhnlich, aber auch nicht stinklangweilig. Als ich letztens mit jemanden gesprochen habe, der gerne über tiefgründigere Dinge spricht, fiel mir plötzlich eines auf: Ich bin oberflächlich.

Es ist nicht so, dass ich nur auf das Äußere achte, dass ich Menschen nach ihren Aussehen beurteile und mich nur auf das vorhandene und sichtbare verlasse. Ich fühlte mich wie eine leere Person, eine Fassade, eine einfache Oberfläche mit einem hohlem Innenraum – wie eine Porzellanfigur. Bin ich eine leere Hülle?

Es ist nicht so, dass ich mir keine Gedanken mache. Es ist eher so, dass ich die Dinge so nehme wie sie sind. Die Welt, die Menschen darin und die Entwicklung unserer Gesellschaft – sie sind grausam und schrecklich, aber ich nehme sie so hin wie sie sind. Das ist das, was ich gelernt habe, um weiter leben zu können.

Denn wenn deine Mitschüler dich grausam auslachen und dich ignorieren, wenn du weinst, dann ist es am einfachsten, es einfach hinzunehmen.
Wenn deine Lehrer die Schuld nicht bei deinen Mitschüler sehen, sondern bei deinem Elternhaus, dann ist es am einfachsten, es einfach hinzunehmen.
Und wenn du all dein Mut sammelst um weinend deinem Vater zu beichten, dass du dir Freunde wünschst und er dir dazu nur erwidert, dass das nur vorbei geht, wenn du bessere Noten schreibst, dann ist es am einfachsten, es einfach hinzunehmen.

Bin ich deswegen also leer? Weil ich einfach sagen kann, dass meine Kindheit etwas ist, was ich nicht nochmal wiederholen möchte? Weil ich schon so oft erzählt habe, wie ich aufgewachsen bin, dass ich einfach nicht mehr weiß, wem ich es erzählt habe und wem nicht? Weil ich Witze darüber machen kann, dass mein Vater mich in all meinen verbliebenen Erinnerungen an ihn geschlagen hat? Oder weil ich einfach lache, obwohl ich vor zehn Jahren noch nächtelang deswegen geweint habe?

Nein, ich bin keine bloße Hülle. In mir regt sich sehr wohl etwas, doch es ist hässlich und verkommen. Keiner will es sehen oder sich anhören. Alles, was ich tun kann, ist einen Vorhang davor zu ziehen und denn Rest des Raumes angenehmer gestalten. Das beste daraus zu machen. Nicht mehr deswegen weinen und dafür mehr für andere Dinge weinen. Denn es ist am einfachsten, es einfach hinzunehmen.

8 Comments

  1. Minnie

    3. March 2016 at 9:00

    Mausi, das klingt alles wirklich furchtbar traurig für mich. Natürlich bist du keine leere Hülle und ich denke auch, dass du alles andere als oberflächlich bist. Du wurdest einfach sehr stark verletzt, körperlich und seelisch, und ich denke deswegen kannst du alles einfach so hinnehmen, weil du Dinge akzeptierst wie sie sind. Du hast gemerkt, dass das ständige Hinterfragen nicht wirklich viel bringt. Ich hoffe, dass sich deine Situation geändert hat. Das Beste daraus machen klingt super, und wenn du das schaffst oder geschafft hast, zeigt alleine das schon wie stark du bist und dass du ein echt toller Mensch bist!
    Ich drück dich ganz fest ♥

  2. neontrauma

    3. March 2016 at 21:01

    Puh… ein mutiger, ehrlicher Post.

    Weißt du, ich rede auch nicht gerne über meine Vergangenheit. Teils, weil das für mich selber mittlerweile so kilometerweit weg ist, dass es sich anfühlt wie ein anderes Leben. Nicht mehr relevant ist für das Hier und Jetzt. (Also, schon… natürlich hat es mich geprägt. Aber ich _identifiziere mich nicht [mehr] darüber.)
    Und teils, weil man so schnell in eine Schublade gesteckt wird, sobald man auch nur ein bisschen erzählt. Opfer, Psycho, whatever. Ganz egal, wie lange etwas her ist.
    Von daher behalte ich das meiste einfach für mich. Ich hab damit abgeschlossen, größtenteils, und will einfach nicht, dass meine Vergangenheit meine Gegenwart und Zukunft mehr beeinflusst als unbedingt nötig. Schlussstrich drunter und nach vorne blicken.

    “Alles, was ich tun kann, ist einen Vorhang davor zu ziehen und denn Rest des Raumes angenehmer gestalten.” … hmm, das mit dem Vorhang klingt so nach Verbergen. So, wie man sich für ein chaotisches Regal schämt und halt lieber einen Vorhang davor zieht, wenn Besuch kommt. Aber dich dafür schämen, was dir passiert ist und dass du das als starke Frau überlebt hast? Bullshit, Süße. Bildlich gesprochen solltest du dir lieber ein Trophäenregal an die Wand nageln und stolz sagen können, hey, den Mist da hab ich überlebt!

  3. bknicole

    10. March 2016 at 19:53

    Wow erstmal Respekt für diesen ehrlichen Post. Ich finde aber nicht, dass du deshalb eine leere Hülle bist. Es gibt Menschen, die reden gerne über all die schlimmen Dinge die ihnen wiederfahren sind, andere tun das nicht, sondern blicken lieber nach vorne in die Zukunft. Da sollte man einfach das tun was einem selbst am Besten tut. Jedoch kann ich mich neontrauma nur anschließen, du solltest aufjedenfall Stolz darauf sein, dass du das alles durchgestanden hast ;).

    Danke auch für dein liebes Kommentar.
    Dankeschön 🙂
    Das tut mir leid zu hören, finde sowas wirklich immer schrecklich. Ich versuche wirklich immer jeden miteinzubeziehen. Vor allem aus diesem Grund andere auszugrenzen ist wirklich lächerlich, hat sich ja bis heute leider nicht geändert.

    Auf lautlos habe ich mein Handy auch fast immer, schon alleine wegen der Uni, da ist das ja ein Muss. Darüber ärgert sich dann nur immer mein Dad, wenn ich seine Nachrichten nicht lese. Aber an Benachrichtigungen habe ich nun auch bis auf Whats App alle ausgeschalten, Facebook ging mir nämlich die letzte Zeit auch sehr auf die Nerven.

  4. Christiane

    15. March 2016 at 17:18

    Ich finde es nicht oberflächig ist, wenn man sich abgrenzt. Ich kann jedoch nur hoffen, dass du einen kleinen Satz an Freunden hast, bei denen du auch mal du sein darfst – “hässlich und verkommen”, um dich zu zitieren.

    Eine Medaille hat immer zwei Seiten!

    Beste Grüße
    Christiane

  5. Ulle

    16. March 2016 at 7:48

    Das ist ein sehr schöner Post! Ich denke, dass deine Einstellung genau die richtige ist, um das Leben zu genießen. Denn man kann nur nach vorne gehen, wenn man nicht dauernd zurückschaut.

    Ich sende dir liebste Grüße!
    Ulle

    1. Mira Mica

      17. March 2016 at 23:35

      Danke Ulle für dein Kommentar! Liebe Grüße zurück 🙂

  6. Salvia von Liebstöckelschuh

    16. March 2016 at 10:23

    Nein, du bist sicherlich keine leere Hülle, sondern wägst nur genau ab, wozu du dich äußern magst und wozu nicht, worüber du dir den Kopf zerbrichst und worüber nicht. Nur weil ein anderer Mensch sich mit Dingen beschäftigt, die du einfach als gegeben hin nimmst, bedeutet das nicht, dass du keine Inhalte hast.
    Ich kenne dich zwar nur virtuell, aber ich erinnere mich an die vielen guten Tipps, die von dir kamen in Bezug auf Blogging, Coding & Design. Das kann nicht von jemandem kommen, der eine leere Hülle ist!
    Lass die anderen reden und lass es dir nicht zu nahe kommen!
    Pass auf dich auf!
    Liebe Grüße
    Salvia von Liebstöckelschuh

    1. Mira Mica

      17. March 2016 at 23:35

      Lieben Dank für die netten Worte! Hab einen schönen Tag! 🙂

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