Diary, thoughts

Sleepwalker

Meine Mutter gehört definitiv zu den Personen auf dieser Welt, die ich bewundere. Lange Zeit war das nicht so, aber seit ich ausgezogen bin, wird es mir Tag zu Tag deutlicher. Manche Dinge erkennt man doch erst auf die Distanz.

Letztens habe ich Bilder von meiner Mutter bei mir gefunden, nachdem sie mich angerufen und gemeint hat, dass sie ihre Jugendbilder nicht mehr findet. Mit Jugendbilder meint sie nicht Bilder aus der Kindheit – ich bezweifle, dass jemand aus meiner Familie damals so etwas wie eine Kamera besessen hat, sondern die Bilder, die sie gemacht hat, nachdem sie aus ihrem Elternhaus gezogen ist. Meine Mutter zog dabei nicht einfach ein paar Städte weiter, sondern gleich an das andere Ende der Welt, aus Vietnam direkt nach Ungarn und danach nach Deutschland. Damals war sie sogar ein Teenager und jünger als ich es jetzt bin, um Geld für ihre Familie zu verdienen. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie es ihr dort erging. Morgen beginnt die Einführungswoche an meiner Hochschule und ich bin schon ziemlich aufgeregt – und das ist noch nicht mal annähernd so heftig.

Ich weiß gar nicht, warum ich das hier erzähle, aber ich muss in letzter Zeit so oft daran denken. Ich bewundere ihren Mut, ihre Zielstrebigkeit und ihre Ausdauer und bin ihr so dankbar. Ich hoffe, morgen sterbe ich nicht vor lauter Aufregung – und dass ich in ein paar Jahren mindestens genauso für sie sorgen kann, wie sie all die Jahre für ihre Eltern und ihre Kinder gesorgt hat.

//Recently I thought a lot about my mom and her past. She left Vietnam when she was a teenager and worked in Hungary before she came to Germany. I think I can say that she has done a lot for me and my sister. Sometimes I feel like I have to give something back to her. Tomorrow is my first day at college – maybe that’s the first step?

1 Comment

  1. Daria

    6. October 2013 at 23:16

    Meine Mutter hat ähnliches durchgemacht und hatte ein ziemlich krasses Leben. Ich vergesse das auch zu oft. Unglaublich wie viele Menschen einfach nur für ihre alltäglichen Taten und ihr Durchhaltevermögen eigentlich einen Orden verdient hätten. Aber man vergisst sowas zu schnell…

    Liebste Grüße
    Daria von http://www.cinnamon-star.blogspot.com

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