Diary, thoughts

Der Zug

Wenn man in einen Zug steigt, fährt man weg. Egal, von woher. Weg von zuhause, weg von der Stadt, weg vom Meer. Man fährt weg. Man setzt sich irgendwo hin, je nach Laune, mal da oder da hin. Doch für gewöhnlich setzt sich jeder an den Fenster. Vor allem, wenn man in Tränen ausbricht, weil man Einsteigen muss. Und wenn der Zug fährt, fängt die Landschaft an, sich zu bewegen. Wie ein Filmstreifen. Und man schaut dem Meer nach, von dem man sich verabschieden muss, bis man es nicht mehr erkennen kann. Zuerst sieht man den Strand, die hohen Bäume, die den Blick versperren, dann kommen Wiesen und Felder, ein Dorf tritt in Erscheinung und dann wird der Film ganz langsam und man schaut zu, wie Menschen in diesen Film einsteigen und andere heraussteigen und zu einem in den Zug kommen.

Und man sitzt da und fühlt sich alleine. Wie in einem Hochhaus. Man hat viele Nachbarn, doch niemand zum reden. Und je mehr Dörfer passiert werden, desto mehr drückt das Herz, als hinge sie an einer unsichtbaren Leine, die noch am Meer angebunden ist. Nach einiger Zeit ist man weniger traurig und dafür mehr melancholisch. Dieses Gefühl, so viel sehen zu können, ist schön und gleichzeitig erdrückend, denn man weißt, je mehr man sieht, desto weiter weg ist man vom Meer.
Und wenn man nach Stunden aus dem Zug steigt und an seinem Ziel angelangt ist, steht man an einem Ort, was andere als das eigene Zuhause nennt, doch es fühlt sich an, als wäre man im falschen Film.

Es ist schon so lange her, dass ich mit dem Zug von ihm weggefahren bin, doch heute empfinde ich es wieder, wie es war. Ich liege im Bett und denke an ihm, und an die Entfernung. Und ich möchte so gerne wieder in seinem Film. Ich möchte so gerne an seinem Strand.

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